Türkei
Eine Schienensaga in zwei Akten – von Kissenthal bis ans Mittelmeer.
Manche Reisen beginnen einfach mit einem Flug. Unsere beginnt mit einem Fahrplan. Selbst wenn das Ziel das Mittelmeer ist, bleibt die Philosophie die gleiche: Wir reisen mit der Bahn. Die Türkei-Reise ist eine Schienensaga in zwei Akten – hin und zurück, auf Schienen bis zum Himmel.
— AKT I: DER HINWEG —
Der nächtliche Aufbruch aus der Rhön
Alles begann pünktlich um 19:00 Uhr am kleinen Bahnhof in Kissenthal (Gleis 1). Der RE7 (3785) brachte uns in 55 Minuten nach Würzburg Hbf. Und dort erwartete uns ein kleines Geschenk des Fahrplans: 46 Minuten Umstieg am selben Bahnsteig (Gleis 8). Kein Treppenlaufen, kein Hetzen. Tony studierte zufrieden seinen Plan, während wir die Abenddämmerung über den Gleisen beobachteten.
Um 20:41 Uhr setzten wir unsere Reise mit dem RE10 (58233) Richtung Nürnberg fort. Und genau auf dieser Strecke, als wir durch das nächtliche Bamberg rollten, war es Zeit für unser festes Ritual.
Das Sekt-Ritual in Bamberg
Der Zug hielt kurz, und Tippi griff in ihre Handtasche. Sie holte zwei kleine 0,2l-Fläschchen Sekt heraus – Sekt aus ihrer Heimat, aus dem Erzgebirge. Das ist unser Ritual bei jeder Reise: ein kleiner Schluck Glück, bevor es weitergeht.
„Ein kleines Fläschchen Sekt aus der Heimat in Bamberg. Das ist kein Luxus. Das ist Tradition." — Tippi von Wolkenstein
Ab Bamberg veränderte sich die Stimmung. Der Zug füllte sich, die Gänge wurden enger, die Atmosphäre hektischer. Doch wir saßen eng zusammen und lächelten. „So ist das halt", sagte Tony. „Ab Bamberg wird's lebendig. Ein kleines Theaterstück auf Schienen."
Das Chaos am Nürnberger Hauptbahnhof
Um 21:54 Uhr rollten wir auf Gleis 15 des Nürnberger Hauptbahnhofs ein. Das Chaos war perfekt: Verspätungen, volle Bahnsteige, Hektik. Wir stiegen aus, atmeten tief durch und gönnten uns eine Pause.
Wir setzten uns hin, bestellten einen Kaffee und eine Bratwurst. „Das ist wie im Film", sagte Tony und kaute zufrieden. „Nur dass wir hier sitzen und alles in Ruhe beobachten können."
Nach der Stärkung folgte der letzte schiene Schritt: 162 Meter Fußweg (ca. 6 Minuten) zu Gleis 4. Pünktlich um 22:09 Uhr stiegen wir in die U2. Effizient, schnell und direkt. Um 22:22 Uhr standen wir am Flughafen Nürnberg. Der schiene Teil war geschafft. Jetzt übernahm der Himmel.
Unser Abflug war um 0:35 Uhr. Ein Nachtflug. Ruhig an Bord, fast alle schlafen. Wir dösten, und als wir aufwachten, war das Mittelmeer unter uns sichtbar.
— KURZER EINSCHUB: DAS ZIEL —
Und dann waren wir da
Das Diamond Excellence Resort in Side-Colakli – zum zehnten Mal. Unser zweites Zuhause. Die Kellner kennen uns, der Manager nickt uns zu: „Willkommen zurück."
Unser Ort ist die Strandbar. Jeden Morgen, Punkt 10 Uhr, sitzen wir dort. Tony mit seinem Gin Tonic, Tippi mit ihrem Gin Tonic. Wir hören das Meer, genießen die Ruhe, und wissen: Hierher kommen wir immer wieder.
Nach dem Gin Tonic gehen wir gemeinsam ins Meer. Das Wasser ist warm, die Sonne scheint, und wir schwimmen ein paar Runden. Das ist unser Ritual. Jeden Tag.
— AKT II: DER RÜCKWEG —
Die lange Nacht und der frühe Morgen
Dann ist es Zeit, zurückzufahren. Unser Rückflug ging um 23:40 Uhr ab Antalya. Nach knapp 3 Stunden und 10 Minuten landeten wir tief in der Nacht in Nürnberg. Der Flughafen war ruhig, fast verlassen. Aber die erste U2 fuhr erst um 05:16 Uhr. Also warteten wir, ruhten uns aus und beobachteten, wie der Flughafen langsam erwachte.
Die U2 brachte uns um 05:29 Uhr zum Hauptbahnhof (Gleis 3). Wieder 162 Meter Fußweg, diesmal zu Gleis 4 C-F. Um 05:42 Uhr bestiegen wir den RE20 (4782) zurück nach Schweinfurt.
Das Erwachen Frankens
Diesmal war der Zug voll. 6 Uhr morgens, und jeder wollte zur Arbeit oder zur Schule. Die Gänge waren voll, die Atmosphäre geschäftig. Tony und Tippi saßen zusammen, blickten aus dem Fenster und ließen die Landschaft an sich vorbeiziehen. Franken zog vorbei, die Rhön näherte sich.
Um 06:56 Uhr erreichten wir Schweinfurt Hbf (Gleis 6). Und wieder: Ein Geschenk des Fahrplans. 4 Minuten Umstieg am selben Bahnsteig auf Gleis 5. Pünktlich um 07:00 Uhr rollte die RB50 (80706) ein.
Zurück in Kissenthal
Die letzte Etappe. Doch auch dieser Zug war voll – lauter Schüler mit ihren Handys, die Musik hörten oder einfach nur chillten. Die Atmosphäre war lebendig, jung und ein bisschen chaotisch.
Tony und Tippi saßen zusammen, lächelten und genossen das Treiben. „So ist das halt", sagte Tony. „Die Jugend von heute." Die Landschaft wurde vertrauter, die Hügel sanfter, und als wir um 07:25 Uhr endlich in Kissenthal ausstiegen, atmeten wir tief durch.
Wir waren zu Hause. Die Schienensaga war abgeschlossen.
„Weißt du, das Schöne an der Bahn ist: Man hat Zeit. Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten. Zeit, um zu merken, wie gut es tat. Und Zeit, um zu planen, wann wir wiederkommen." — Tony S. Land
Warum diese Reise so besonders war
Die Türkei-Reise ist mehr als ein Urlaub. Sie ist eine Schienensaga in zwei Akten. Das Sekt-Ritual in Bamberg, das Chaos am Nürnberger Hbf, die Bratwurst, die 162 Meter zum U-Bahnsteig, der Nachtflug, das Warten bis 5:16 Uhr, der volle Zug um 6 Uhr und die Schüler auf der letzten Meile – all das ist Teil der Geschichte.
Das Hotel ist wunderbar. Aber die eigentliche Reise, die eigentliche Saga, findet auf den Schienen statt. Zwischen Kissenthal und Nürnberg, zwischen Hinweg und Rückweg. Denn wir sind Tony's Schienensaga. Und die Schienen verbinden alles.